Ostkarte #049 – Zentralamerika, oder: Bustransporte aus der Hölle 3 von 3 (Guatemala, Belize)

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Das ist der letzte Teil der Chicken Bus-Trilogie über Bustransporte aus der Hölle in Zentralamerika. In Teil 1 bin ich von Panama über Costa Rica nach Nicaragua gefahren. Das ging so halbwegs. Mit der Weiterreise in den Norden wurde es richtig desaströs. Der eindeutige Tiefpunkt war der Transfer von El Salvador nach Honduras, der trotz der übersichtlichen Distanz von 200km über 12 Stunden dauerte – und dabei 11 Busse beanspruchte. Während dieses Transfers gab es auch tatsächlich mal (namensgerecht) ein lebendes Huhn in einer Box unterm Sitz.

Nun also Guatemala, Zentralamerikas Superstar des Maya-Rucksacktourismus. Ich bin gleich mal skeptisch.

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Hier zum letzten Mal die Übersicht über Zentralamerika. Ja, Belize ist klein.

CA

Guatemala

Guatemala ist arm und wird von vielen Touristen besucht. Daraus resultiert eine Zweiklassengesellschaft beim Transport: Es gibt teure Shuttles für Touristen, die die Hotspots verbinden. Und die Bevölkerung quetscht sich weiterhin in die Kindersitze der ehemaligen US-Schulbusse (gesetzlich müssen diese nach 10 Jahren Betrieb in der 3. Welt rezykliert entsorgt werden), die hier besonders perfide gesteckt sind: Statt des gewohnten 3+2 pro Reihe, das Uneingeweihte in den meisten Fällen als 2+1,5 interpretieren würden, wird in Guatemala auf Kosten des Mittelganges auf Variante „Bonsai Kitten“, also 3+3, gestellt. Der Ayudante, der das Fahrtgeld eintreibt, frottiert sich während der Fahrt regelmäßig durch den auf 20cm reduzierten Schlauch an Stehenden und Händlern vorbei, während von allen Seiten Diverses von der Gepäckablage auf ihn hinabstürzt. Immerhin: Das größere Gepäck kann problemlos auf dem Dach gelagert werden und die Busse fahren häufig und regelmäßig, im Vergleich mit den südlichen Nachbarn sogar relativ flott und direkt. Die Touristenshuttles sind bequemer, bieten aber sonst nur Nachteile: Sie sind bis zu 10x teurer, fahren vielleicht 2-3x am Tag zu festgelegten Zeiten ab und brauchen teilweise länger, weil sie a) jeden Passagier individuell abholen und ins neue Hotel bringen und b) teilweise indirekte Verbindungen wählen, um weitere Touristen aufzunehmen. Um es abzuschließen: Transport in Guatemala war supereng, aber verhältnismäßig flott.

Jedenfalls gibt es in Guatemala 3 große Touristenattraktionen: Die Mayaruinen von Tikal, den Atitlan-See und Antigua, eine gut erhaltene Kolonialstadt. Dort lande ich nach nur 8 Stunden Busfahrt von Honduras. Antigua – Schachbrettmuster, bunte, niedrige Häuschen, alte Kirchenruinen, umringt von Vulkanen – wird als Kolonialperle angepriesen.

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Nach zwei Stunden wird es mir hier langweilig und ich verabschiede mich am nächsten Morgen ins Hochland nach Xela, wo ich mir weniger Hochglanz verspreche, wobei ich mich dort dann nach bereits 5 Minuten langweile und folglich den zeitlich nächsten Chicken Bus, den ich meiner psychologischen Hygiene gegenüber verantworten kann, zum Atitlansee nehme.

Atitlan hat rund ein Dutzend Dörfer, einige davon sind klassische Touristensaufghettos, andere sind klassische Touristenyogaghettos, und andere bieten gar nichts wie San Juan, wo ich absteige, weil es hier ein günstiges Hostel gibt (das eine österreichische Besitzerin hat; allgemein eine hohe Österreicherdichte in Guatemala).

Blick auf San Juan:

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Mit viel Phantasie, und nachdem es einem gesagt wurde, erkennt man im Bergrelief im Hintergrund das Profil eines Mayas (Nase!). Naja. Die überfluteten Häuser in Uferlage erklären sich dadurch, dass der See in den letzten Jahren mehrere Meter gestiegen ist.

Wegen dieser Szenerie, vom Norden aus sichtbar, kommen viele Touristen:

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Mit Verlaub: Jedem Chilenen entlockt das bestenfalls ein müdes Gähnen. Was dennoch cool ist: Es herrscht reger Bootsverkehr zwischen den einzelnen Dörfern, die per Straße nicht sonderlich gut erschlossen sind. Heißt: Ich nehme einen Vaporetto und lasse mich entlang der Szenerie kutschieren.

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Ist das San Marcos, dieses Esoterikzentrum mit Energetikerpyramide und unzähligen Yogaworkshops? Ich kann mich nicht mehr erinnern.

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Yoga und Meditation am Wasser:

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Viel höher sollte der Wasserspiegel nicht mehr steigen:

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Auch wenn es nicht so klingt: Von allen Orten in Guatemala gefällt es mir hier am besten.

Tikal, die wichtigsten Mayaruinen südlich von Mexiko, kosten viel Eintritt und sind touristisch belagert. Angesichts dessen, was man dann geboten bekommt, muss ich attestieren: Viel Qual, wenig Freud‘. Das Gebiet ist zwar riesig, der Großteil aber entweder gar nicht oder nur oberflächlich von Erde und Gestrüpp befreit, weil man nicht genug Kohle (= Spenden aus dem Ausland) hat.

Man bewegt sich auf diesem weitläufigen Gelände sehr viel, um zumeist bestenfalls so etwas vorzufinden:

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Vereinzelte große Pyramiden würden viel schöner wirken, wenn man sie besser freigelegt hätte:

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Hier, in Tikal, bekomme ich auch die Rechnung für drei Wochen des Knieanziehens präsentiert, nachdem ich ein paar der obigen Stufen geklettert bin, woraufhin dann meine Oberschenkel gekrampft haben.

Der Hauptplatz der Stätte ist schön, aber hier lungert halt auch jeder herum wie die Tauben am Markusplatz.

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Man sagt nicht von Ungefähr, dass das die wichtigsten Mayaruinen SÜDLICH von Mexiko sind, denn in Mexiko gibt es dutzende Stätten für weit weniger Geld und mit weitaus weniger Zulauf, die mehr bieten (dazu ein anderes Mal).

Auch hier nehme ich den nächstbesten Bus.

Send him through Belize!

Diese kleine Enklave des Englischen in Lateinamerika fühlt sich sehr karibisch an. Belize gilt als Schnorchel- und Tauchparadies (great blue hole!) und ist durch den konstanten Strom an US-Touristen ziemlich teuer, wenn man etwas im Rahmen einer Tour unternehmen möchte – insbesondere zur Weihnachtszeit. Ursprünglich spiele ich mich mit dem Gedanken an ein paar Strand- und Schnorcheltage, obwohl das für mich immer langweilig ist, um mich von den bereits ausführlich dokumentierten Strapazen der letzten Wochen zu erholen, bleibe aber knapp über der Grenze für zwei Tage liegen in einer Grauzone zwischen Müdigkeit und Krankheit. Danach verzichte ich, auch aufgrund der Preissituation, auf jegliche weitere Exploration und nehme den direktesten Weg nach Mexiko.

Fazit zu Zentralamerika: Viel Aufwand, wenig Ertrag. Vergeudete Zeit, die ich lieber woanders besser investiert hätte.

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