Ostkarte #014 – Mazedonien, oder: Erstes Heranschnuppern an den Balkan

MACED-Pan

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Mazedonien gilt als Geheimtipp des Balkans, aber bis auf Kroatien gilt ja jedes Land am Balkan als Geheimtipp, wenn man von Griechenland absieht, das sich halt ungern als Teil des Balkans sieht.

Ich lande jedenfalls in Skopje, weil der Flug so günstig war, und Skopje ist eine Stadt in Umbruch. Mazedonien ist ja erst seit ca. 3 Jahren unabhängig und man bastelt mittels Holzhammer an einer Nationalidentität. Entlang des durchs Zentrum fließenden Flusses werden folglich klassizistische Verirrungen platziert und jeder freie Meter, der nicht gerade durch eine der zahlreichen Baustellen besetzt ist, wird mit Denkmälern zugestellt (oder mit einer Baustelle zur Errichtung eines Denkmals).

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Skopje07

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Höhepunkte sind überdimensionierte Brunnen mit faschistisch anmutenden Sujets (muskulöse Krieger, dickbäuchige Schwangere) samt Lichtshow und Walzereinspielung bei Dämmerung. Daneben gibt es die zweieinhalb Überbleibsel aus ottomanischen Zeiten (der Rest wurde durch ein Erdbeben geplättet) und die eine oder andere Brutaloarchitektur in dieser dann doch auch plattenbautenlastigen Stadt.

Skopje03

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Die großen Helden sind neben Alex und Philipp 2 (siehe das Springbrunnenphoto oben) vor allem Mutter Teresa, in Skopje geboren, die im Übrigen in der gesamten Region hier (sprich: dort, wo es Albaner gibt) dementsprechend gründlich ausgeschlachtet wird.

Skopje02

(Mutter Teresas Museum, das gibt’s hier nämlich auch, ist im Übrigen ganz besonders fragwürdig. Ich frage mich, wieso ich das nicht abgelichtet habe, denn es ist von einer ausgesprochenen Hässlichkeit.)

Es gefällt mir also ziemlich gut in dieser angenehm schiachen Hauptstadt, für die es aber keines zweiten Tages bedarf, weswegen ich nach Ohrid hetze, quasi das Filet im mazedonischen Portfolio. Ohrid liegt am gleich benannten See und ist halt ein klassisches mediterranes Städtchen mit Flaniermeile, Bootsausflügen, Gassengewirr und ein paar strategisch gut positionierten alten Kirchen.

Ohrid01

Ohrid03

Man kann in 1-2 Stunden eine gemütliche Runde entlang des Ufers bis zur berühmten Kirche an der Klippe laufen (siehe Photo darüber) und dann im Hinterland auf Ausgrabungen und – wie soll es hier auch anders sein – zweifelhafte Bauvorhaben treffen.

Ohrid04

Die Leute sind grundsätzlich freundlich, die Überlebenskosten halten sich im Rahmen und die Touristen eigentlich auch. Es ist aber primär ein Ort für diejenige, die gerne lange aufs Wasser starren und für so etwas fehlt es mir einfach an Geduld. Dennoch schaffe ich es länger als einen Tag zu bleiben. Danach gehen mir die Ideen für Mazedonien aus, also stauche ich die geplanten 5 Tage auf 3 zusammen und lasse die Karawane in den Kosovo weiterziehen.

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