Ostkarte #024 – Der Iran, oder: Von Baustelle zu Baustelle

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Ein paar Worte vorab zum Iran

Der Iran war nach dem Zerfall der Sowjetunion lange Zeit einer der schillerndsten Schurkenstaaten im Talon der US-Außenpolitik. Man genoss es, sich aneinander zu reiben. Das Land ist bis heute, trotz eines spürbaren Tauwetters, durch internationale Embargos isoliert und stark in der ökonomischen Entwicklung behindert. Jedoch ist der Iran, flächenmäßig 4 Mal so groß wie Deutschland, aktuell so ziemlich die einzige stabile Volkswirtschaft im Nahen und Mittleren Osten. Denn wen haben wir da noch? Syrien, Libanon, Irak, Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan aka Nordkorea 2, Saudi Arabien, und in Israel war es auch schon mal ruhiger.

Es gibt aktuell diesen Zankapfel der Atomstromerzeugung, von der Lösung dieses Problems hängt eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen ab. Aber warum überhaupt nukleare Energie für einen der größten Erdölförderer weltweit? Hier muss man wissen, dass der Iran auf Benzinimporte aus der Türkei angewiesen ist, weil die eigenen Raffinerien durch die Sanktionen veraltet sind und nicht mal für den Eigenbedarf produzieren können. Hier beißt sich die Katze also in den Schwanz.

Das andere Thema ist, dass der Iran eine islamische Republik mit dementsprechend moralischen Kodizes ist. Es gibt zwar freie Wahlen, das letzte Wort hat aber ein klerikales Schattenkabinett, das alles, was ihm nicht passt, abschaselt. Dem Volk, das im Vergleich gebildet und aufgeklärt und weltoffen ist, sind somit die Hände gebunden, man flüchtet sich in die Resignation, im Wissen, dass wohl nur ein blutiger Umsturz von unten die Dinge wieder auf pre-revolutionäres Niveau stutzen würde.

Neben dieser inneren Emigration suchen viele das Glück im Ausland. Der Iran leidet unter einem massiven Braindrain. Wer kennt keinen iranischen Arzt? Die Flucht wird freilich erschwert: Um einen Reisepass zu bekommen, muss man den Militärdienst ableisten (der hier mehrere Jahre dauert) und muss man weitere Auflagen erfüllen, die sehr kostspielig sind. Die wenigsten Iraner haben dadurch das Land jemals verlassen (außer vielleicht irgendwann zum Hadj).

Ist es für Touristen gefährlich, im Iran zu reisen? Solange man nicht vorhat, politisch zu provozieren, Alkohol zu konsumieren und sich bei Unzucht erwischen zu lassen, ist es sogar ein besonders sicheres Land. Frauen bedürfen etwas mehr Adaption: zumindest symbolisch bedeckter Kopf und Hintern sind Pflicht. Bei Westlern handhabt man das aber weitaus lockerer, denn man will dem Touristen nichts Böses, man freut sich, dass er hier ist. Ansonsten gilt es, sich passiv mit der Scharia zu arrangieren – so wie es die meisten Iraner auch tun.

Ich komme mit dem Luxusbus von Yerewan, eine 22-stündige Fahrt inmitten von Iranern, einige davon kommen eindeutig vom Schariaurlaub zurück, andere nehmen sich rührend meiner an. Ob ich eh keine Flasche Wein einstecken habe? Nein, nein, nur Schokolade. Reiseziel ist Teheran, denn weiter nördlich – Tabriz, kaspische See, etc. – ist es mir bereits zu kalt, habe ich entschieden. Von Teheran werde ich mich in den Südosten vorarbeiten und so ziemlich alles Sehenswerte streifen, mich tendenziell in der Wüste bewegen und zum Schluss einen Schlenker in den Westen setzen, nach Shiraz (und Persepolis), wo schon mein Flieger in die Emirate (und dann nach Kathmandu) wartet.

Teheran: 2 lauwarme Tage im Armenviertel, wo die Kronjuwelen sind

In dieser riesigen Hauptstadt, wo der Norden mehrere hundert Meter Höhen- und mehrere Grad Temeperaturunterschied aufweist als der Süden, quartiere ich mich eben hier im Süden ein, wo die meisten Paläste, Museen und der Bazar zu finden sind. Es ist ironischerweise die ärmste Gegend der Stadt, die billigen Hotels sind zumeist auf der Amir Kabin zu finden, einer Straße voller Läden mit Autozubehör.

Das Hotel ist schäbig, die Matratze steinhart und es ist Freitag, also Sonntag. Ich kann daher kein Geld wechseln, meine Unternehmungen sind eingeschränkt. Ich möchte zum Golestanpalast, werde davor von irgendwem angequatscht, der unbedingt Zeit mit mir verbringen will. Ich bin neu im Iran und weiß dieses Verhalten nicht ganz zu deuten, suche dann den Ausweg in einer höflichen Flucht. Kein Golestanpalast für mich. Am nächsten Tag beschränke ich meine Museumsstreifzüge auf die nationalen Familienjuwelen. 2,5 Mrd. EUR auf 500 m² – in Gold, Platin, Rubinen, Diamanten. Ich sage mal so: wäre das alles aus buntem Glas und Goldfarbe, hätte es mich genauso beeindruckt. Ich habe es nicht so mit billigem oder teurem Schmuck.

Kein Start nach Maß also, auch durch die schlauchende Busfahrt bedingt, und in der Hoffnung auf interessantere Inputs nehme ich nach 2 Tagen den Bus in den Süden.

Kashan: Achja, Aschura

Die iranischen Busse sind billig, effizient, schnell und zuverlässig. Zahle keine 2 EUR für die 200km nach Kashan, bekannt für seine architektonisch schönen Stadtvillen. Sage dem Taxifahrer, dass ich ein billiges Hotel will, er bringt mich in ein teures, ich bleibe stur, er bringt mich in ein halbwegs günstiges. Das ist ein großes Problem im Iran: Die Hotels sind gar nicht mal so billig, dafür aber auch gar nicht mal so gut. Unterkunft sollte immer wieder ein Krampf werden im Verlauf meiner Reise und auch der Reisen anderer, die ich treffe.

Jedenfalls erfahre ich vor Ort, dass am nächsten Tag Aschura beginnt – nie gehört -, seines Zeichens das wichtigste religiöse Fest der Schiiten. Und Kashan ist ein besonders konservativer Ort im Iran. Die nächsten zwei Tage hat alles zu und wenn ich noch was sehen möchte, dann habe ich 2 Stunden Zeit. Also laufe ich los.

Ich stürze also in 2-3 der wichtigeren historischen Häuser. Das erste ist schön, aber irgendwie eine Baustelle.

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Die Baustelle sieht man auf den Photos nicht, aber überall stehen alte Türen und Gerüste herum.

Das zweite Haus ist wie aus 1001 Nacht, es gefällt mir ganz ausgezeichnet:

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Eine Anmerkung: Die iranische Bauweise ist stets auf Schattenmaximierung ausgelegt, denn im Sommer ist es hier brennend heiß. Also: Enge Gassen, Vierkanthöfe in den Keller hinein, nicht umsonst sind die Bazare weit verzweigt und überdacht. Das ist aber auch eher undankbar zum Photographieren, wenn die Sonne tiefer steht, und im November steht die Sonne generell fast immer tief. Insofern bin ich fast immer über diffuses Licht dankbar und präsentiere häufig nur Ausschnitte (häufig auch, um Gerüste zu kaschieren).

Es ist also Aschura, Menschengruppen streifen durch die Gassen und singen, schlagen sich auf die Köpfe und auf die Brust, weil vor 1300 Jahren wichtige Leute ermordet wurden. Während sie trauern, verbringe ich die Zeit in meinem Hotel mit Touristen und Einheimischen, die hier, in diesem hochislamischen Nest, besonders liberal eingestellt sind, uns regelmäßig beweisen wollen, dass der Koran lügt, auf Ahmedinejad schimpfen („little monkey“) und mit uns den Diktator von Sacha Baron Cohen schauen, um uns zu zeigen, in welchen Szenen ebender Ahmedinejad persifliert wird. Und sie saugen sich Game of Thrones von meiner Festplatte, das ich mir in Teheran in einer frühen, paranoiden Phase nur offline anzuschauen getraute, die Revolutionsgarden sind überall. „Aber sag nicht dem Ayatollah, dass du es von mir hast!“, bin ich mittlerweile etwas gelassener geworden.

Auch wenn Persien sicherlich rauschhafte sinnliche Assoziationen von exotischen, bunten Gewürzen und Früchten und kalten Platten auf bunten Teppichen und heißem Tee in schönem Porzellan und raffinierten Desserts hervorruft: das Essen in Iran ist überraschend eintönig. Man liebt hier das Fast Food. Kebabs, Sandwiches, Pommes, Reis, Coca Cola, alles in mittelmäßiger Qualität. Mein Saumagen revoltiert dann während Aschura und wird sich in den nächsten 2 Wochen in regelmäßigen Abständen zu Wort melden. Delhi belly? Esfahan darm! Ein Königreich für eine Westerntoilette.

Esfahan: Je teurer das Ticket, desto größer die Baustelle

Der berühmteste und architektonisch wichtigste Ort Irans birgt für mich die größte Enttäuschung. Es ist eine große, unruhige, wenig attraktive Stadt mit in diese eingehäkelten Perlen, die aber auf mich mehr megalomanisch denn attraktiv wirken in ihren sich ewig dahinziehenden Balustraden und Bögen, wie etwa beim weltberühmten Imam-Platz:

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Oder auch am Fluss, wo es einige sehenswerte Brücken gibt:

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Ferner wird mir in Esfahan bewusst, dass die Baustellen, die ich in Kashan sah, keine Ausnahme bildeten, sondern im Iran, zumindest in der Zeit, als ich hier bin, die Norm darstellen. Überall wird eingerüstet. Und je teurer das Touristenticket (der Besucher wird x-fach intensiver zur Ader gelassen als der gemeine Perser), auf eine desto größere Baustelle darf man sich gefasst machen. Irgendwann betrete ich Moscheen nur mehr, sehe das Gerüst, drehe um, gehe. Bei der größten Moschee Esfahans wundere ich mich ob der Gerüste, wieso ich keinen Eintritt zahlen musste, bis ich feststelle, dass ich durch einen unbewachten Nebeneingang hineinkam.

Hier die andere Seite des Imam-Platzes (= zweitgrößter Platz der Welt, früher wurde hier Polo gespielt):

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Die Palastterrasse: komplett eingerüstet. Der Palast selbst ist nicht der Rede wert. Man bezahlt, man geht 10 leere Stockwerke hoch, man geht wieder runter.

Die größte Moschee des Imam-Platzes steht im Süden, das ist ihre Kuppel.

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Ich zahle und gehe trotzdem hinein. Die Moschee ist für ihren wunderschönen Innenhof berühmt, aber dort steht ein Zelt in der Größe des Innenhofes, eine Folge von Aschura. Die charakteristischen blauen Fliesen sind dennoch eine Pracht:

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Wie auch generell das Detailreichtum die Sinne überfordert, wie hier bei der Moschee von der Ostseite vom Imam-Platz (deren Kuppel sieht man auf dem ersten Esfahan-Photo oben):

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Ich ziehe in drei Tagen drei Mal los, um mir Esfahan schönzulaufen – vergeblich, ich werde mit der Stadt nicht warm, auch wenn die hier gezeigten Photos ganz was anderes andeuten (dass der Iran photogen ist, ist mir bewusst). Und tatsächlich ist es hier recht kühl, denn der Winter naht und Esfahan liegt, wie so viele Orte im Iran, irgendwo zwischen 1.500 und 2.000m über dem Meeresspiegel. Es ist auch Esfahan, wo mich die Iraner zu nerven beginnen. War ich zuanfangs sehr höflich, wenn es darum ging, auf der Straße angesprochen zu werden und immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten, so falle ich irgendwann, nach dem x-ten uninteressanten Gespräch zum Zwecke, das Englisch des jeweiligen Iraners zu verbessern, in einen eher abweisenden Ton und beantworte die Frage nach Österreich im Vorbeigehen, denn wer stehenbleibt, der verliert.

Dieses ständige Ansprechen auf der Straße ist ein vieldiskutiertes Theme in der – hähä – Traveller-Community. Manche sehen sich als Fenster zur Welt für die isolierten Iraner, andere finden die Gespräche oberflächlich und ich sehe mich generell nicht als Samariter oder Entwicklungshelfer, sondern als Tourist, der keine Lust hat auf Belästigungen, während er nervös nach einem Klo Ausschau hält.

Es ist kalt, es ist verkehrsumtost, es sind hier viele Menschen, die mit mir Banales austauschen wollen, das Hostel ist auch ein unatmosphärisches Loch. Die Sehnsucht nach einem Gegenpol wächst in mir und ich suche die Wüste auf, was im Iran nicht schwierig zu bewerkstelligen ist – die Wüste ist hier fast überall.

In der Wüste ist es meistens heiß, oder: eine kleine Stilkunde über den iranischen Zweckbau

Ein kurzer Sachunterricht, um meine Suaden etwas aufzulockern. Was ist also das hier?

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Das sind Windtürme (in Yazd), sprich: stromlose Klimaanlagen. Sie sorgen für Luftzirkulation in den Räumen, kühlen somit natürlich. Hin und wieder auch Pforten für einzelne Gelsen, das ist aber kein gröberes Problem, insbesondere nicht für die nächste Art von Bau.

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Ein Wasserspeicher, hier charakteristisch mit Kritzeleien aufmüpfiger Koranschüler. Windtürme verschaffen zusätzliche Kühlung. Das nächste hat mich einige Zeit gewundert, bis ich irgendwann aufgeklärt wurde.

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Bei diesem konischen Schneckenhaus handelt es sich um ein Eishaus. Wasser kondensiert, vereist im kühlen Eishaus, das im Inneren genauso weit in die Erde geht wie nach oben. Iraner lieben ihre Shakes. Mittlerweile gibt es aber bessere Methoden. Auch mein erklärter Favorit ist nur mehr ein Relikt aus alten Zeiten:

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Ein Taubenhaus, wo die Vögel in den hunderten Kammern rumlungern und rumscheißen, woraufhin dann ausgedüngt wird. Clever und zudem sehr ästhetisch!

Und der wichtigste Zweckbau: der Bazar. Jede halbwegs größere Stadt hat dieses labyrinthartige Netz von überdachten Verkaufsständen, die im Sommer Schatten und im Winter Wärme und Windschutz bieten. Sie ziehen sich über Kilometer hin und integrieren Moscheen, Restaurants und Paläste. Oft ist der Weg durch den Bazar der direkteste. Und wer schon mal den Bazar in Istanbul besucht hat: jeder iranische Bazar sticht Istanbul um Längen (hier in Shiraz) – allein schon dadurch, dass die iranischen Bazare immer noch in Verwendung sind, nicht zu einer reinen Touristenattraktion verkommen sind. Es gibt im Iran nicht wirklich viele Shopping Center oder Supermärkte.

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Na’in, das schwierige Wüstendorf

Werde also weiter östlich irgendwo rausgeworfen. Willkommen in Na’in. Es gibt hier ein günstiges Hotel, einige alte, natürlich verfallene Gebäude samt Zitadelle und einen direkten Zugang zur Wüste. Ich brauche aber erst mal 2 Stunden, um überhaupt das Zentrum zu finden, was in flachen Orten mit engen Gassen, überall sandfarbenen Gebäuden und ohne irgendwelche Landmarks (bzw. mehrere Landmarks, die über die Fläche verstreut sind), ein absolutes hit&miss darstellt. Ich geistere also herum, bis ich irgendwo auf mehr Verkehr stoße und mal in der Bank versuche, Auskunft zu erhalten. Ja, man weist mich in die richtige Richtung, es ist mittlerweile schon dunkel geworden.

Na’in ist sehr untouristisch für das, was es eigentlich bietet. Ich streife also alleine umher, schau mir das für eine mittelgroße Stadt typische Bild aus verfallener historischer Masse und schönen Kuppelbauten an:

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Die Wüste ist nur einen Steinwurf entfernt, ich wage einen Spaziergang in dieser unfruchtbaren Landschaft. Meine erste Wüste, wenn man die Wanderung zu den polnischen Wanderdünen am Meer nicht mitzählt. Ich bin etwas aufgeregt. Impressionen aus zittriger Hand:

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Langsam finde ich wieder in die Agglomeration zurück. Ich entdecke den älteren, interessanteren Stadtteil von Na’in, wo es auch Restln einer Zitadelle gibt.

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Das hatten wir schon (Wasserspeicher mit Windtürmen):

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Insgesamt brauche ich wieder einiges, um ins Hotel zu finden und mein Gepäck zu krallen. Und eine Ewigkeit, um wieder aus dem Gewirr zu kommen und den Ort zu finden, wo der Bus nach Yazd hält, die zweite wichtige historische Stadt Irans.

Yazd: hier hat man sich was für Touristen überlegt (endlich)

Wenn man von Esfahan oder dem Norden Irans kommt (oder von überall außer Shiraz), ist Yazd ein Paradies für den Touristen. Weniger wegen der Sehenswürdigkeiten, denn die sind halt das Übliche – Moscheen, Lehmhäuser, Bazar. Sondern wegen der historischen Häuser, die zu gut geführten günstigen Hotels umgebaut wurden, in deren Innenhöfe gut geführte günstige Restaurants errichtet wurden, wo es auch Speisen abseits des Tschebabs mit Reis zu bestellen gibt, etwa Dizi, ein Eintopf mit Kichererbsen, Erdäpfeln und etwas Fleisch (in Georgien und Armenien nennt man es Piti) oder Kamelgulasch, das mir etwas zu schräg riecht, ansonsten aber wie Rind schmeckt. Solche Eintöpfe bieten für mich auch die einzige Verzehrmöglichkeit für’s hiesige Lawasch-Brot, ein pappiges Irgendwas, das hier gerne zum Frühstück serviert wird in Begleitung von Karottenmarmelade, die sich erwiesenermaßen zu 120% aus Zucker und zu 20% aus Industriefarbstoff zusammensetzt. Das Lawasch saugt sich mit der Brühe voll, wird dadurch seiner rechtmäßigen Verwendung zugeführt.

Alle atmen in Yazd durch, kommen sie doch aus dem touristisch nüchternen Esfahan oder aus der Wüste, alle werden relaxter, gemeinschaftlicher, erfreuen sich an der zuvorkommenden, aber niemals lästigen Gastfreundschaft im Hotel und einem für iranische Verhältnisse ausgezeichneten Frühstücksbuffet, das es hier inklusive gibt.

Yazdens Repertoir geht dann nicht viel über die iranische Klassik hinaus:

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Der Feuertempel der Zoroastrer hat einen klingenden Namen, ist aber wenig spannend. Man bezahlt, sieht eine ewige Flamme, man geht wieder.

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Der Chak-Chak-Loop bietet mit Kharanaq einen lang ersehnten Höhepunkt

Ich treffe in Yazd meine chilenischen Freunde aus Kashan wieder, wir haben uns gut verstanden und werden die nächsten Tage gemeinsam reisen und uns die Taxikosten sparen. Von Yazd aus macht man einen typischen Tagesloop über drei Orte in der Wüste, der uninteressanteste davon ist am leichtesten zu merken und somit auch namensgebend: Chak-Chak, eine Pilgerstätte der bereits erwähnten Zoroastrer.

Chak-Chak ist schnell abgehandelt: Eine Höhle, wo von der Decke Wasser tropft. Im trockenen Iran ist das eine mittlere Sensation, aber doch nicht für mich. Die Lage dieser Pilgerstätte der Zoroastrer ist freilich sehr nett.

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Und ich finde neue Freunde :)

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Wir starten allerdings in Meybod, wo es vor allem diese schön erhaltene, sehr alte Zitadelle gibt.

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Auch die Stadt selbst sieht so aus, als ob sie eines näheren Blickes Wert warat.

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Und auch das schöne Taubenhaus, das ich weiter oben bereits verbraten habe, findet sich hier. Ich mag Meybod.

Der Höhepunkt des Loops und wohl auch meiner Iran-Reise ist freilich die Geisterwüstenstadt Kharanaq. Ich mag ja diese verlassenen, verfallenen Orte. Und in Kharanaq kann man sich stundenlang durch Ruinen bewegen, was aufgrund der Baufälligkeit nicht ungefährlich ist.

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Die Umgebung ist recht obskur:

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Kerman, da sind sich alle einig, ist eher eine Scheißstadt..

…aber leider auch das Einfallstor in die Kaluts. Wir (Chilenen + ich) nehmen den Bus in den Südosten, Reisezeit 5 Stunden. Kommen in der Nacht an und versuchen ein Hotel zu finden. Das erste gibt es nicht mehr, das zweite ist eine abgefuckte Spelunke, aber was sollen wir machen, wir bleiben halt eine Nacht und wollen in der Früh weiterschauen. Auf der Suche nach Essbarem treffen wir einen Wiener und der hat tatsächlich Ahnung, wie man hier schnell in die Wüste kommt. Wir verabreden uns für den nächsten Tag, dann wollen wir die Tourenpreise ordentlich drücken.

Langer Rede kurzer Sinn: Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf eine überteuerte Geschichte einzulassen, aber wir fanden auch keine Möglichkeit der individuellen Vorgehensweise. Wie soll das auch funktionieren, wenn man hier kein preiswertes Hotel findet? Wir versuchen es in einem, das empfohlen wird, aber man jagt uns da regelrecht vom Grundstück. Um 13 Uhr sitzen wir also für je 50 USD in einem Auto mit Guide, der uns für ein paar Stunden zu den Kaluts bringt, riesigen Sandhaufenformationen in der Wüste, danach gibt es ein Homestay mit Essen und die Fahrt zurück am morgen. Wirklich Konkurrenz gibt es hier für den Wüstentrip nicht. Dass hier die Monopolrente abgeschöpft wird, riecht man kilometerweit gegen den Wind.

Die Kaluts selbst sind schon okay und irgendwo in dieser Umgebung ist auch der weltweit heißeste Punkt der Erdoberfläche. Wir freilich genießen angenehme 18-20 °C.

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Der Sternenhimmel in der Wüste habe ich mir intensiver vorgestellt, dafür war das Essen im Homestay sehr schmackhaft (für Iran).

Der Südwesten Irans: Mahan, Rayen und das zerstörte Bam

Per Sammeltaxis nach Mahan. In Mahan gibt es ein Mausoleum (more of the same)…

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…und einen Garten, der eigentlich nur überteuert ist, wenn man kein Iraner ist. Aber wie durch ein Wunder geraten wir an ein unverständlich günstiges und gutes Hotel. Evtl. hat man hier vergessen, uns Touristenpreise zu verrechnen. Wir wollen gar nicht erst weg, krallen uns dann aber am nächsten Morgen ein Taxi nach Rayen, wo es eine Zitadelle gibt, die als das „neue Bam“ bezeichnet wird. Das „alte Bam“ (also: „Bam“) war ein Prunkstück des iranischen Südens, bis vor 10-12 Jahren ein verheerendes Erdbeben alles zerstört hat. Dabei sind ca. 50tsd. Menschen gestorben.

Rayen hält, was es verspricht. Es gefällt mir hier ungemein gut.

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Das Original, 2 Stunden Taxifahrt entfernt, ist ein riesiges Schlachtfeld. Es lässt sich aber erahnen, wie prachtvoll Bam vor dem Erdbeben gewesen sein muss:

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Ich bin damit am südöstlichsten Punkt meiner Iranreise angelangt. Südlicher ist nur mehr Beluchistan, eine Freiwildzone mit Drogenproblematik, die nur von wenigen Touristen besucht wird – vorwiegend von denen, die overland nach Pakistan wollen, ein bisschen ein Himmelfahrtskommando, das man in Pakistan nur mit Polizeibegleitung durchführen darf. Ich fahre einige Stunden ins ungeliebte Kerman zurück, buche einen Luxusnachtbus nach Shiraz (6-7 EUR mit Snacks für 8 Stunden Fahrt), meine letzte Station vor dem Abflug nach Kathmandu.

Shiraz und Persepolis: der archäologische Abschluss

Shiraz ist nach Esfahan und Yazd die dritte bedeutende historische Stadt. Der Name ist wohlklingend, war man doch vor der Revolution für den Shiraz-Wein berühmt. Nun ist das Keltern streng verboten und man schaut sich alles eben nüchtern an. Obwohl das so ca. das Übliche ist und obwohl man von Shiraz weniger Gutes hört als von Esfahan und vor allem Yazd: Ich finde es okay hier. Breite Strassen, weniger Verkehr, netter, belebter Bazar und die Hostels sind in ähnlich guter Verfassung wie in Yazd (bloß eine Spur teurer; dafür ist das Frühstücksbuffet besser).

Es gibt eine Art Festung, aber ich luge kurz hinein: Baustelle, 150.000 Rial.

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Ich falle auf so etwas nicht mehr hinein. Moschee, standesgemäß auch mit Baustelle….

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…aber die Säulenhalle gefällt mir gut.

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Aber eigentlich kommen hier alle wegen Persepolis, der Akropolis Irans, einer riesigen archäologischen Stätte in ganz gutem Zustand. Ich nehme ein überteuertes Taxi, weil ich von der Busfahrt zu mürbe bin, um jetzt viel rumzuverhandeln. Ich bin ja quasi angekommen und habe den unausgeschlafenen Tag für Shiraz und Persepolis zur Verfügung – sehr knappe Zeitkalkulation.

Persepolis ist riesig, im Nirgendwo und auf einem Plateau. Und es geht hier weniger um die vielen Säulen oder irgendwelche Sonnentore, es geht hier um die Dreidimensionalität der Plastiken. Voll Avatar!

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Ohne Säulen kommt man bei keiner Ausgrabungsstätte aus. Die Säulen sind quasi die Säulen einer jeden Ausgrabung (hrr hrr).

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Der Löwe frisst das Lamm, das alte Jahr wird vom neuen gefressen.

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Die Wächter IM Türstock gefallen mir besonders gut. Und sie stehen so erdbebensicher. Wichtig im Iran.

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Ein Spaß für die ganze Familie! Zurück im Hotel treffe ich den freundlichen Tschechen von Esfahan (und Yazd) wieder, der sich sein Visum in Kerman verlängern wollte. Dort behandelte man ihn wie Dreck, woraufhin er den Nachtbus nach Shiraz nehmen musste, wo das Visum binnen einer Stunde auch verlängert wurde. Wir fachsimpeln eine Weile über Kerman, die Scheißstadt, der Iran als völkerverbindendes Medium, man braucht halt einen Feind von Außen. Und der Kroate ist vom Iran auch nicht so sehr begeistert und beschwert sich, dass seine Freunde sich beschweren, dass er sich beschwert. „Sie sagen die ganze Zeit: Aber die Photos sind doch so schön!“

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