Ostkarte #004 – Taiwan, oder: Fad, aber lieb

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Nach 10 Tagen Festland– und Sonderterritorialchina begebe ich mich in die Republik China, wo seit mehr als 60 Jahren die vor Mao geflüchtete Exilregierung tagt und ihrer Rückkehr aufs Festland harrt. Das wird aber noch dauern. Taiwan, das war mir vor der Reise bereits klar, sollte einer der Höhepunkte werden: Eine Insel der Seligen, auf die im südostasiatischen Trubel irgendwo zwischen China, Japan und den Philippinen gerne vergessen wird (okay, auf die Philippinen wird auch gerne vergessen), obwohl sie so viele Schätze birgt, ein Miniaturchina, nur mit freundlichen Menschen, ohne Smog und mit wohl weniger Besuchern im Jahr als meinetwegen Wien. Aufgegeilt von einer umsorgenden Touristeninformation, die mir vorab nicht nur alle möglichen Reiseführer, Broschüren und Gutscheine gratis zusendet, sondern sogar vorher fragt, ob das eh in Ordnung ist, glaube ich, ich wäre da auf was Schönes, Unbekanntes gestoßen.

Die Krux mit den zu hohen Erwartungen

Es kommt halt etwas anders. Was stimmt: Die Menschen sind großartig. Freundlich, hilfsbereit und respektvoll. Das Essen ist hervorragend. Die Infrastruktur ist modern ausgebaut, die ÖPNV ein Traum. Das Preisniveau für diesen Grad an Zivilisation ist sehr niedrig. Aber wenn man seinen Fokus nicht auf Kulinarisches oder Zwischenmenschliches legt, dann gibt es gar nicht mal so viel zu sehen. Ich verbringe einige Tage in Taipei, einer durch und durch zweckmäßigen Stadt mit hochbahngeprägten Strassenzügen. Ich besuche das wohl weltweit wichtigste Museum für chinesische Kunst, denn am Festland ist das Meiste der Kulturrevolution zum Opfer gefallen. Ich presche in das Umland vor, wo ich mir sanfte Hügel, schroffe Klippen und pittoreske Häfen erhoffe, was auch irgendwie auch eintritt. Aber das alles reißt mich nicht vom Hocker. Also ziehe ich weiter.

Taiwan

Die Taroko-Schlucht

Mit einem Schlenker entlang der Ostküste gelange ich nach Hualien, einer uninteressanten Stadt, die aber halt als Hub für die größte Attraktion Taiwans unabdinglich ist. Die Taroko-Schlucht ist eine Ansammlung diverser Wanderrouten entlang einer an Stellen schroff aufragenden Klamm. Per Hop On-Hop Off kommt man bequem von Station zu Station, so ist alles gut an einem Tag machbar. Die Schlucht ist insgesamt betrachtet eine schöne Geschichte, beeindruckt aber nicht über Maßen, wenn man aus einem Land kommt, in dem es durchaus auch den einen oder anderen Berg gibt.

Und obwohl mir noch 4-5 Tage für Taiwan blieben, beende ich mein Abenteuer hier vorzeitig aus einem trivialen Grund: Mir geht das Bargeld aus und kein Bankomat akzeptiert meine Karte. Ich ziehe mich somit in den sicheren Hafen von Taipei zurück, wo ich weitere Erkundungstouren auf mich nehme, mit ähnlichem Erfolg wie oben schon beschrieben.

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